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Auf in die "Schurkenstaaten"?

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Von Hans-Jürgen Weigt

Die tropischen Reiseländer auf dem Weg durch die Amerikas haben es in sich. Endlose Strände, üppige Natur und fruchtbare Vulkanlandschaften, in denen von Mangos bis Bananen, von der Kaffeebohne bis zur Kokosnuss die herrlichsten Früchte wachsen. Ein Kultur- und Völkergemisch. Die Mayas haben steinerne Städte ihrer 5000 Jahre alten Kultur hinterlassen. Die Nachfahren schwarzer Plantagensklaven, die Garifuna, pflegen entlang der Karibikküste eine eigene Sprache und ihren entspannten Lebensstil. Die spanischen Konquistadoren gründeten Städte, Klöster, Haziendas und Häfen.

Die Engländer gründeten einen »Schurkenstaat«. Belize erschien als Britisch Honduras auf der Landkarte, als die Engländer nach dem Friedensschluss mit Spanien die Piraten loswerden wollten. Für die etwas beschönigend »Baymen« genannten Seeräuber im Dienste ihrer Majestät wurde an der sumpfigen, moskitoverseuchten Küste der Karibik ein Gebiet von der Größe Hessens ausgesucht. Damit sie nicht weiter auf dumme Gedanken kamen und vor allem, weil man sie nicht auf den heimischen Inseln haben wollte, sollten sie sich unter dem Schutz britischer Soldaten am westlichen Karibikstrand ansiedeln und ein friedliches Leben zwischen malariaverseuchten Lagunen, dichtem Dschungel und von Haien und Kaimanen durchpflügten Meereswellen führen. Erst 1981 wurde der Landstrich unabhängig. Gerade mal 350.000 Einwohner teilen sich heute das Gebiet. Zum Vergleich: Allein Frankfurt hat 700.000 Einwohner. Und das etwa gleich große El Salvador bevölkern sieben Millionen Menschen.

Belizes Nachbarländer Mexiko und Guatemala leiden unter Bandenkriegen und Drogenschmuggel. Wer dazu die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes liest, geht vielleicht erst einmal zum Notar, um sein Testament zu aktualisieren. Vor Bandenkriminalität, Überfallgefahr und allerlei sonstigen Risiken – von fiesen Mückenstichen bis zu bissigen wilden Tieren – werden Reisende ebenso gewarnt wie vor falschen Polizisten, Kidnappern und Trickdieben. Honduras und El Salvador sind die Länder mit den höchsten Mordraten der Welt. Je 100.000 Einwohnern lag Honduras im Jahre 2016 bei über 100 Taten, El Salvador bei gut 60. Zum Vergleich: Deutschland zählt vier Fälle pro 100.000 Einwohner.

In Nicaragua regiert der ehemalige Revolutionsheld Daniel Ortega mit seinem Familienclan immer korrupter und autoritärer. Studenten und bürgerliche Opposition proben den Aufstand, dabei kamen hunderte Menschen ums Leben.

Panama hat seinen Ruf als gigantische Geldwaschmaschine zuletzt mit den Panama Papers wieder unterstrichen. Bleibt das wegen seiner Friedfertigkeit und schönen Natur gerühmte Costa Rica als vermeintlicher Hort der Ruhe. Bis zu eine Million Flüchtlinge aus Nicaragua und immer mehr Venezuelaner, die verzweifelt ihr mit sozialistischen Konzepten und kubanischer Militärhilfe heruntergewirtschaftetes Land verlassen, haben die Lage in Costa Rica zuletzt ebenfalls unsicherer gemacht.

Am Ende der mittelamerikanischen Strecke steht man dann vor dem »Darien Gap«. Es gibt keine Straße nach Kolumbien. 90 Kilometer der Panamericana fehlen. Das von Urwäldern, Bergen und Sümpfen durchzogene Gebiet gilt als Tummelplatz der Drogenschmuggler und Guerillagruppen. Reisenden drohen Überfälle und Entführungen.

Etwas sicherer ist der See- oder Lufttransport. Im Internet stehen allerdings einige wüste Geschichten über den bürokratischen Aufwand, unseriöse Kapitäne und beschädigte Fahrzeuge. Es wird spannend.


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